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Die Pfarrkirche St. Peter und Paul
in Eching am Ammersee
Eching bildet den östlichen Ausläufer des Landkreises Landsberg, zu dem der ganze Ammersee gehört. Heute noch ist die Amper, die die Kreisgrenze bildet, zugleich auch eine Sprachgrenze. In Inning, welches nur 2 km von Eching entfernt ist, sind noch bajuwarische Laute und Sprachmelodien zu finden, während in Eching bereits schwäbische Einflüsse wirksam sind. Nicht nur Hügelgräber im „Weingarten“ (Richtung Schondorf) zeugen von einer frühgeschichtlichen Besiedelung des Nordrandes des Ammersees, auch Skelettfunde, 200 m südlich des Ortes am so genannten „Thalberg“ gemacht, und deren Beigaben, weisen auf Besiedelung in der Landnahmezeit.
Wir haben es den mindestens seit 1638 geführten und auch erhaltenen Pfarrbüchern zu verdanken, dass wir nicht nur die Geschichte unseres Ortes, sondern auch die unserer Kirche St. Peter und Paul bis weit ins Mittelalter zurückverfolgen können. 1065 wird Eching als Ehingun erstmals urkundlich erwähnt.
Aus einem Dokument des Klosters Schäftlarn geht hervor, dass das Kloster unter seinem Probst Arnold 1160 bis 1164 eine Hofstatt austauscht („apud villam Ehingun curtiferum unum“). Um 1420 liegt ein Hof und das Dorfgericht zu Eching in den Händen der Greifenberger.
1507 kauft der Hofmeister Erhard von Perfall die Greifenberger Hofmark. Bis zu deren Auflösung 1848 war Eching dann der umfangreichen Hofmark Greifenberg einverleibt.
Nicht nur der 30jährige Krieg mit seinen Drangsalen, sondern auch die im Erbfolgekrieg 1704 durchziehenden feindlichen Soldaten brachten Unglück und Schrecken über den Ort.
Der Kirchturm brannte aus, der Pfarrhof und dessen eben neu erbauter Stadel fielen den Flammen zum Opfer.
Eching als “Ehing”
1705 wurde der Pfarrhof neu gebaut, 1704 bis 1711 der Turm wiederhergestellt.
Gerade in dieser Notzeit kam als Nachfolger von Sebastian Graf, Pfarrer Jakob Schorer (1707 bis 1760) nach Eching, der beim Wiederaufbau tatkräftig mithalf, sein Leben lang in Eching verblieb und etwa 20.000 Gulden der Pfarrgemeinde vermachte.
Die im Dorfbrand schwer beschädigte Pfarrkirche wurde 1766 mit diesem Erbe neu errichtet, und zwar von dem Münchner Hofmaurermeister Leonhard Mathäus Gießl. Als gebürtiger Wiener gilt er als der letzte große Rokokobaumeister Oberbayerns. Den Bau selbst leitete der „Churfürstliche Hofmaurerpalier“ Ignaz Prechler, den Dachstuhl fertigte der vielbeschäftigte Zimmerermeister Anton Benedikt aus Hofstetten.
Dass beste Münchner Künstler nach Eching kamen, ist Pfarrer Anton Ziegler zu verdanken, welcher als Nachfolger von Pfarrer Schorer 1761 nach Eching kam und bis zum Tode 1809 dort wirkte.
Nach der Pfarrchronik war er unablässig bemüht, die Kirche zu dieser Vollkommenheit zu bringen.
Der Kostenvoranschlag für den Neubau von ursprünglich 4.284 fl wurde nur um 80 fl überschritten.
Der spätgotische Westturm aus dem Ende des 15. Jahrhunderts zeigt am Glockengeschoss einfache Spitzbogen und dürfte von einem Dießener Klosterbaumeister errichtet worden sein. Die Westwand der heutigen Kirche und die unteren Teile der seitlichen Langhausmauern stehen in Verband mit dem Turm, was bedeutet, dass der neue Bau – ohne Chor und Sakristei – auf die alten Fundamente gesetzt worden war.
Die Kirche ist ein Saalbau. Sie hat ein Langhaus zu zwei Achsen, das mit einer Stichkappentonne überwölbt ist. Die Ecken der Ostseite gegen den Chor sind abgerundet; die Wände durch toskanische Pilaster mit vorspringen Gebälkstücken gegliedert. Durch die Abrundung der Ostecken des Langhauses wird die Idee des Zentralbaus leicht angedeutet.
Deckenfresko im Langhaus
Gießl, der bedeutendste Baumeister am Münchener Hof nach dem Tode Johann Michael Fischers, hat so in Eching mit einfachen Mitteln ein wohlproportioniertes kleines Gotteshaus geschaffen, das Norbert Lieb ein „bezeichnendes Schlusswerk der Zeit um 1770“ nennt.
Rechter Seitenaltar (Hl. Andreas) mit Kanzel
In Zusammenarbeit mit ihm – so wie in Eching auch im benachbarten Inning – tritt häufig der Maler Christian Wink (1738 bis 1797) auf, ebenfalls einer der besten Künstler des späteren 18. Jahrhunderts in München, der seinen Deckenbilder oft mit dem stolzen Zusatz „aulae Bojcae Pictor“ (bayrischer Hofmaler) signierte.
Seine Fresken im Langhaus stellen die Bekehrung des heiligen Paulus und das Martyrium der beiden Apostel dar; im Chor ist die Übergabe der Schlüsselgewalt durch Christus an den heiligen Petrus wiedergegeben. An Stelle von Stuckaturen sind die freien Gewölbeflächen des Langhauses mit üppigen ornamentalen Malereien, Draperien (malerischer Faltenwurf) und Grisaillen (Malereien grau in grau) bedeckt. In den vier abschließenden Ecken sind die Vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt (Matthäus = Engel/Markus = Löwe/Lukas = Stier/Johannes = Adler).
Die Bilder an den Emporebrüstungen zeigen verschiedene Ausschnitte aus dem Leben der Apostelfürsten, stammen aber möglicherweise von anderer Hand. Es sind folgende Darstellungen: Der reiche Fischfang, Petrus und der Hauptmann Cornelius, Taufe des Cornelius, Rettung des Paulus über die Stadtmauer von Damaskus, Predigt des heiligen Paulus auf dem Aeropag in Athen, Rettung des Petrus aus dem Gefängnis. Das gute Hochaltarbild, das den Abschied der beiden Apostel vor ihrem Martyrium darstellt und ihnen die Siegespalme verheißt, stammt ebenfalls von Christian Wink (gemalt 1770).
Bereits 1763 schuf der Münchener Hofbildhauer Johann Baptist Straub (1704 bis 1784) das schlichte Monument aus grauem Marmor für den Wohltäter der Kirche Pfarrer Schorer, welches 1767 neben dem Eingang angebracht wurde.
Der jetzige Choraltar, aber auch Kanzel (1771) und Seitenaltäre (1772) sind ausgezeichnete Schreinerarbeiten des bisher unbekannten Dorfkistlers Joseph Gruber aus Unterschondorf.
Der Chor mit Hauptaltar
Die Altäre sind wegen ihrer eleganten Aufbauten bemerkenswert. Ihre auf Voluten vorgestellten Freisäulen verleihen besonders dem Hochaltar den typischen Bühnencharakter der Spätrokokozeit. Die Gebälkstücke über den Säulen tragen zierlich geschnitzte Blumenvasen, der Rahmen des Auszugs schwingt kräftig ein und weitet sich wieder zu beiden Seiten eines Medaillons; den oberen Abschluss bildet ein Reifen aus Rocaille, der eine Eigenart dieser Zeit im Gebiet ist.
Eine originelle Lösung zeigt die Verbindung des rechten Seitenaltars mit der Kanzel, wobei wegen der Enge des Raumes die rechte Säule im Kanzelkorpus verschwindet.
Linker Seitenaltar (Hl. Antonius)
Besonders feine Schöpfungen Grubers sind die geschickt in zwei Nischen beiderseits des Choraltars gestellten Vesperstühle von 1768 und ihre Rückwände von 1775. Unter seinen zahlreichen weiteren Arbeiten sei noch das geschwungene Kommuniongitter mit reich profilierten Balustern von 1770 erwähnt.
Während das rechte Seitenaltarbild mit dem heiligen Andreas 1774 ebenfalls von Christian Wink gemalt wurde, stammt das Linke („Verzückung des heiligen Antonius von Padua“) von dem Weilheimer Maler Sebastian Troger aus dem Jahr 1776, der auch die Fassung der Altäre besorgte. Die Apostelfiguren tragen unverkennbare Merkmale des Landsberger Bildhauers Johann Luidl und dürften um 1720 bis 1730 in dessen Werkstatt entstanden sein. Die Kreuzwegtafeln, die ihren Platz unter der Empore haben, stammen aus dem Jahre 1760.
Die Pfarrkirche Eching am Ammersee gehört zu den schönsten Baudenkmälern dieses Gebietes. Die rote Turmkuppel, die 1711 vom damaligen Zimmerermeister Moritz Leyer aus Oberbergen geschaffen wurden, leuchtet weithin sichtbar über die Ammerseelandschaft.
Die Kirche zu Eching ist den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Am 29. Juni ist das Fest des Martyriums beider Apostel.
Die Liturgie verehrt Petrus als Fürsten über die ganze Kirche, Paulus als Lehrer aller Völker. Paulus hat nach altchristlicher Tradition unter Kaiser Nero den Martertod durch Enthauptung erlitten. Er gehört zu den größten Gestaltern des christlichen Abendlandes.
Empore -Brüstungen mit Darstellungen aus dem Leben der Apostelfürsten
Die vielen Peter – und Paulkirchen landauf landab wollen die Verbundenheit der Mutterkirche in Rom ausdrücken. „Ubi Petrus, ibi Ecclesia“ d. h., „wo Petrus ist, dort ist die Kirche“.
Die Echinger Pfarrei gehörte früher zum Dekanat Oberalting, das vielleicht im 11. Jahrhundert oder schon früher gegründet worden ist. Dementsprechend ist anzunehmen, dass Eching eine sehr alte Pfarrei ist. Das Präsentationsrecht hatte Graf Berthold von Burgeck. Dieser übergab die Kirche samt Besitz um 1107 an das Kloster Scheyern. Um 1250 taucht erstmals der Name eines Echinger Pfarrers auf, es ist der Dekan Petrus. Das Kloster Scheyern tauschte 1390 mit Zustimmung des Augsburger Bischofs und Domkapitel gegen die im Freisinger Bistum gelegene Pfarrei Ellenbach. Eching wurde nunmehr Pfründe des Freisinger Bischofs und blieb es bis 1803. Die Genehmigung des Tausches durch Papst Alexander V. erfolgt 1409.
Der ehemalige Pfarrhof (links) mit Pfarrstadel wurde nach der Sanierung und Restaurierung (1981) das Pfarrzentrum der Gemeinde
Heute ist die Pfarrei verbunden mit der Pfarrgemeinde Greifenberg – Beuern. Sie gehört innerhalb der Diözese Augsburg zum Dekanat Dießen in der Region Weilheim.
Im Zeichen der Ökumene feiert auch die evangelische Gemeinde dort ihre Gottesdienste.
Das Kriegerdenkmal an der Südseite der Pfarrkirche
Im Wechsel mit Greifenberg ist sonntags entweder um 8.45 Uhr oder um 10.15 Uhr hl. Messe. Die Pastoral in den Pfarreien Eching und Greifenberg- Beuern hat Pater Winfried Mayr OSB.
Die Kapelle St. Sebastian
Wer von der Kirche über den Dorfanger geht, kommt zu der schönen kleinen Sebastianskapelle, die um das Jahr 1650 erbaut wurde.
In diesem Jahr brach in Eching eine pestartige Seuche aus, die 25 Wochen wütete und zwanzig Personen, mehr als Zehntel des damaligen Dorfes, hinwegraffte. Damals machte die Gemeinde das Gelöbnis, auf dem Gemeindegrund am Südrand des Dorfes eine kleine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter sowie des heiligen Sebastian und des heiligen Rochus zu errichten. 1651 konnte das Kirchlein schon eingeweiht werden; 1685 wurde es auf die heutige Größe gebracht. Es hat einen dreiseitig schließenden, eingezogenen Chor und einen Dachreiter mit Zwiebelhaube auf dem Westgiebel. Die jetzige Innenausstattung, die Stuckdekoration und der Hochaltar mit den Holzfiguren der Heiligen Rochus, Sebastian und Wendelin stammen aus dem Jahre 1754.
Den Stuck schuf Franz Xaver Schmuzer aus Wessobrunn, die Figuren Johann Luidl aus Landsberg.
An der Rückseite der Kapelle hängt eine alte Holzafel mit der Inschrift „als die leidige Sucht der Pest allda stark eingerissen“ aus dem Jahre 1656.
Für die Feier der Eucharistie und Andachten, aber auch für viele andere festliche Anlässe (Taufen, Trauungen und dergleichen), ist die Sebastianskapelle noch heute ein beliebtes Gotteshaus.
Östlich daneben steht ein hoher Bildstock aus Tuffstein aus dem Jahre 1548, der im Volksmund „Pestsäule“ genannt wird.
Quellennachweis: Heimatbuch Stadt und Landkreis Landsberg am Lech (Müller- Hahl) Veröffentlichungen von Kreisheimatpfleger Wilhelm Neu Handbuch der Namen der Heiligen (Otto Wimmer) Zusammenstellung: Hubert Mahler, ehemaliger Kirchenpfleger der Pfarrei St. Peter und Paul Eching am Ammersee für das Internet aktualisiert von Matthias Feyrsinger, Ostern 2004
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